Eine Frau mit grauen Haaren küsst den Hinterkopf eines Mädchens dessen Haare sie mit vertrautem Blick hält. Das Mädchen lächelt.
Tipps für Interaktionen

Was können wir zusammen machen?

Niemand ist gerne einsam und anhaltende Einsamkeit ist für niemanden gut. Sie kann zu Gefühlen wie Langeweile, aber auch zu Trauer führen und lässt die Zeit scheinbar langsamer vergehen. Einsamkeit ist sogar ein Risikofaktor für das Entwickeln einer Demenz. Gesellschaft dagegen hat viele positive Effekte: Sie macht bessere Laune, regt den Geist an und lässt so die Zeit schneller vergehen.

Gesellschaft und Gemeinschaft können also helfen, das Demenzrisiko zu senken. Und nicht nur das: Besuche sind auch dann wertvoll, wenn ein Mensch bereits eine Demenz hat. 

Doch der Umgang mit Menschen mit Demenz ist nicht immer einfach. Das liegt daran, dass sich ihr Verhalten durch die Demenz verändert. Plötzlich erinnern sie sich in Gesprächen nicht mehr an gemeinsam Erlebtes oder können die Spielregeln des gemeinsamen Lieblingsspiels nicht mehr. Das kann sehr frustrierend sein, nicht nur für die Angehörigen, auch für die Person mit Demenz. 

Hier gibts Ideen für Aktivitäten und Tipps für bessere Unterhaltungen.

Menschen verbinden mit ganz unterschiedlichen Dingen Erinnerungen. Du kennst das sicher selbst: Du hörst im Laden ein bestimmtes Lied und schon sind sie da, die Erinnerungen an einen bestimmten Menschen, einen bestimmten Urlaub oder ein bestimmtes Fest. Vielleicht hast du sogar Gegenstände, die du genau zu diesem Zweck, der Erinnerung an etwas, gekauft oder gesammelt hast.

Das trifft nicht nur auf dich zu und genau das kannst du nutzen. Wenn du mit einem Menschen mit Demenz etwas machen möchtest, bietet es sich sogar an, Geschichten, Geräusche, Gegenstände oder auch Musik zu nutzen, von denen du weißt, dass sie in der Vergangenheit einmal etwas für die Person bedeutet haben.

Das kann das Durchsehen eines alten Fotoalbums sein, das Hören einer alten CD oder das Anschauen von Kühlschrankmagneten, die Souvenirs aus Urlauben sind. Auf diese Art lernst du vielleicht sogar noch Dinge über die Person, die du bisher nicht wusstest. Das Ganze hat sogar einen Fachbegriff: Sensible Biographiearbeit.

Aber Achtung: Versucht, besonders schöne Erinnerungen zu wecken und schwierigen Themen aus der Vergangenheit eher auszuweichen. Wenn du dir bei Themen unsicher bist, können deine Eltern dir vielleicht sagen, was der Person mit Demenz früher besonders gefallen hat.

Ideen für Sensible Biographiearbeit:
  • Gemeinsam Fotoalben durchblättern
  • Zusammen alte Musik hören
  • Gegenstände mit emotionalem Wert anschauen

Musik ist gleich doppelt gut! Denn sie kann nicht nur helfen, Erinnerungen zu wecken, wie im Rahmen der sensiblen Biographiearbeit, sondern macht auch so gute Laune. Du kennst es sicher von dir selbst: Die richtige Musik macht alles besser. Das trifft auf Menschen mit einer Demenz genau so zu wie auf dich.

Gemeinsam alte oder auch neue Musik zu hören kann also helfen, zueinander zu finden. Aber auch zur Musik zu tanzen, zusammen zu singen oder auf anderem Wege Musik zu machen ist eine Möglichkeit, gemeinsam etwas zu unternehmen. Vielleicht spielst du ein Instrument und hast Lust, das Lieblingslied des Menschen mit Demenz spielen zu lernen. Vielleicht kannst du aus dem Lieblingslied des Menschen mit Demenz und deinem eigenen ein neues basteln.

Zwei ältere Menschen tanzen mit erhobenen Armen gemeinsam in einem schlicht eingerichteten Raum. Beide schauen einander lächelnd an.

Sport tut Körper und Geist gut und auch das trifft auf alle zu. Du kennst es vielleicht: Die Schule war anstrengend, aber nach dem gelaufenen Heimweg fühlt es sich schon besser an. Ein kleiner Spaziergang kann die Laune deutlich verbessern. Auch Menschen mit Demenz kann leichte Bewegung gut tun.

Doch nicht nur die Bewegung selbst tut gut. Draußen kann man sich gemeinsam Dinge ansehen. Egal ob Wald, Wiese oder Stadtpark – draußen gibt es durch andere Menschen, Tiere und Veränderungen der Jahreszeiten viel Abwechslung. So könnt ihr neue Eindrücke sammeln und gemeinsame Erinnerungen schaffen. 

Ideen für gemeinsame Bewegung
  • Spazieren im Park oder Garten
  • Gemeinsame Gymnastik
  • Leichte Sport-Spiele
  • Zusammen tanzen

Du hast vielleicht selbst ein Haustier und weißt, wie viel Freude ein Tier machen kann. Sie sehen niedlich aus, sie machen lustige Dinge und oft sind sie auch noch flauschig. Sie lösen schöne Gefühle aus, die auch bei Menschen mit Demenz im Umgang mit Tieren entstehen.

Wenn du eine Person besuchst, die Demenz hat, kann es also schön sein, dein Haustier gleich mitzunehmen. Vielleicht hatte die Person früher sogar selber mal eins und erinnert sich durch dein Tier daran.

Es gibt aber auch Menschen, die keine Tiere mögen oder sogar Angst vor ihnen haben. Dann solltest du lieber keinen tierischen Besuch mitbringen. Wenn du dir unsicher bist, frag am besten einfach deine Eltern.

Eine Seniorin wird auf der Wange von einem kleinen Hund mit der Nase angestupst. Sie ist sichtlich erfreut über die Interaktion.

Tipps für eure Gespräche

Jeder freut sich über gute Gespräche – du genauso wie ein Mensch mit Demenz. Denn alle haben viel zu erzählen und Freude daran, Neues zu erfahren. Manchmal verlaufen Unterhaltungen aber auch sehr holprig. Damit du dich davon nicht entmutigen lässt, kommen hier ein paar Tricks, die dir helfen können. 


Ruhige Umgebung
Einander anschauen
Einfache & kurze Sätze
Eine Information pro Satz
Lautes & deutliches Sprechen
Geduldig sein & Zeit lassen

Und wenn es trotzdem nicht klappt: nicht entmutigen lassen. Menschen mit Demenz haben oft Schwierigkeiten beim Aufnehmen neuer Informationen und dem Erinnern an alte Informationen. Das kann dann dazu führen, dass sie oft nach den gleichen Dingen fragen. Für dich kann es dann so aussehen, als wäre die Person nicht interessiert, obwohl sie es eigentlich ist, oder als würde die Person nicht zuhören, obwohl sie es ganz doll versucht. 

Eine junge Frau hält die gefalteten Hände einer sie anschauenden Seniorin in den eigenen Händen.

Auch du darfst Hilfe brauchen

Ganz wichtig ist: Wenn dir Gespräche mit einem Menschen mit Demenz schwer fallen, dich traurig machen oder dich überfordern, dann rede mit deinen Eltern oder einer anderen Person, der du vertraust, darüber. Vielleicht können sie dir helfen, dir deinen Kummer nehmen oder dich begleiten.

Denn es ist wichtig, dass du auch auf dich aufpasst.

Wenn du nicht weißt, mit wem du sprechen kannst, kannst du dich immer bei der Nummer gegen Kummer melden:

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